Zeitprägungen 2019 - Materialien

Zeitprägungen 2019: Durch die Welt nach Hause. Die Lebensreise des Frederic Morton


„Ich habe versucht, einem lokalen Beben nachzuspüren, das an einer Biegung der Donau begann, dann über die ganze Welt widerhallte, um donnernd über unser Jahrhundert hereinzubrechen.“ Frederic Morton

Frederic Morton in Vienna (Picture by Emanuel Frank)

Im Juli 1939 musste die jüdische Unternehmerfamilie Mandelbaum unter dem Druck der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihre Heimatstadt Wien fluchtartig verlassen. Da sich dieses Vertriebenwerden heuer zum 80. Mal jährt, plant der Verein Welt&Co, der seinen Vereinssitz unter dem Namen „Kunstraum Ewigkeitsgasse“ in der Thelemangasse 6, der ehemaligen Heimatgasse des Schriftstellers Frederic Morton (geboren als Fritz Mandelbaum) hat, eine dem Anlass entsprechende „Retrospektive“, die das Leben und den Werdegang des amerikanischen Bestsellerautors beschreibt.

Nach der Flucht der Familie, konnte sich Fritz Mandelbaum in den USA unter seinem neuen Namen Frederic Morton erstaunlich rasch als Autor etablieren. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Die Rothschilds“ und der Roman „Ewigkeitsgasse“, der das Leben der jüdischen Community im Wien der Wechseljahre vom 19. in das 20. Jahrhundert beschreibt. Der Roman „Ewigkeitsgasse“ war zugleich das erste Buch, das die Stadt Wien 1996 im Rahmen der Aktion „Eine Stadt, ein Buch“ als Gratisbuch in einer Auflage von 100.000 Stück auflegte.

Die jahrelange enge Verbundenheit von Frederic Morton mit dem Verein Welt&Co, beginnend im Februar 2007 bis zu seinem Tod 2015 in Wien, macht es uns zur Aufgabe, das Leben des Exil-Autors unter dem Projekttitel „Zeitprägungen“ zu thematisieren.

Der 10. Mai ist als Starttermin nicht zufällig gewählt: er dient als Ausgangspunkt für einen „Blick zurück nach vorne“, der an die Bücherverbrennungen 1933 im Dritten Reich erinnert.

Picture by Emanuel Frank
Picture by Emanuel Frank

Frederic Morton selbst hat sich als Exil-Autor in Amerika immer für humanistische und soziale Anliegen eingesetzt. Diese lebenslange Geisteshaltung soll sich in den „Zeitprägungen“ widerspiegeln. Seine Verbundenheit mit Österreich, Wien und speziell seinem Heimatbezirk Hernals hat Frederic Morton niemals verloren, seine Reflexionen zur Vergangenheit waren niemals anklagend und verletzend, sondern immer analytisch-menschlich, legten aber die Wurzeln gesellschaftlicher Veränderungen oft schmerzhaft frei.

Im Rahmen des Projektes „Zeitprägungen“ werden Künstler, Wegbegleiter und Vertreter des öffentlichen Lebens die mit Frederic Morton über Jahre eng verbunden waren in den Kunstraum Ewigkeitsgasse eingeladen, sich den Themen Flucht, Heimat, Vertrieben-sein, Fremde, … künstlerisch anzunehmen und ihr persönliches Verhältnis zum Menschen und Schriftsteller Frederic Morton zu definieren.

Mit den „Zeitprägungen“ nimmt der Verein Welt&Co eines seiner künstlerischen Anliegen wahr, auf das reiche kulturelle jüdische Erbe der Stadt Wien hinzuweisen, und dieses auch für die Zukunft zu bewahren. Es gibt kaum einen authentischeren Ort, der als Kleinod österreichischer Zeitgeschichte geeignet wäre, auch als Ort des Respektes und des gegenseitigen Miteinanders, manifestiert zu werden.

Das bewegte Leben des Frederic Morton, der mit dem Roman „Ewigkeitsgasse“ seiner Heimatstadt Wien, im besonderen „seinem“ Hernals ein berührendes Denkmal gesetzt hat, stellt dabei den Bogen zwischen zwei Welten, der Kindheit des Fritz Mandelbaum und dem späteren Schriftsteller Frederic Morton, her.

Veranstaltungsort ist der „Kunstraum Ewigkeitsgasse“, der sich neben der ehemaligen Metallwarenfabrik der Familie Mandelbaum in der Thelemangasse 6 in Wien-Hernals befindet. Parallel zu den Veranstaltungen findet im Kunstraum Ewigkeitsgasse vom 10. Mai bis zum 5. Oktober eine Retrospektive in Form einer Ausstellung statt.

"Ewigkeitsgasse" by Frederic Morton.